Der Albtraum von Malabo

Äquatorialguinea: Hooligans auf der Tribüne und die Tyrannei an der Macht

von Joaquín Mbomío Bacheng

Sie waren gekommen, um das Fußballfest in Äquatorialguinea zu feiern, die diesjährige Afrikameisterschaft. Doch für die Fans der „Black Stars“ aus Ghana hat sich der alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb, das größte Sportereignis des Kontinents, in einen Albtraum verwandelt. Sie wurden von ihren Gastgebern während des Halbfinalspiels in der Hauptstadt Malabo am 5. Februar brutal angegriffen: mit Steinen, Flaschen, gefüllt mit Urin, sie wurden verprügelt.

Copa Africa Semifinal dpaFoto: © dpa

Aber was hatte man erwartet von einem Land, das nichts anderes kennt als die Diktatur? Die Äquatorialguineer leben täglich mit der Gewalt, die ihnen aufgezwungen wird vom „Clan Nguema“, seit das Land am 12. Oktober 1968 seine Unabhängigkeit von Spanien erlangte. Der erste der „Nguemas“ war Francisco Macias Nguema. Von 1968 bis 1979 regierte er mit Hilfe seines Neffen, dem damaligen Armeechef und jetzigem Staatsoberhaupt Teodoro Obiang Nguema. Dieser entledigte sich seines Onkels Macias Nguema am 3. August 1979 durch einen Putsch. Damals versprach er, dass das Militär sich binnen drei Monaten in die Kasernen zurückziehen würde und die Macht an eine zivile Regierung übergeben werde.

Seitdem sind nicht weniger als 37 Jahre vergangen. Obiang hat die Macht nicht nur behalten, sondern zum Profit der eigenen Familie konfisziert. Einen nach dem anderen hat er die Offiziere eliminiert, die ihm bei seinem Staatsstreich unterstützten. Leutnant Pedro Motu Mamiaga zum Beispiel wurde unter Umständen, die jeder Beschreibung spotten, 1993 von Obiangs marokkanischer Garde liquidiert. Im ganzen Land hat er ein Atmosphäre der Angst entstehen lassen. Es regiert das Recht des Stärkeren. Die Exzesse der Hooligans im Stadion von Malabo am 5. Februar, die schockiert und beschämt haben, sind der exakte Ausdruck des erbärmlichen Zustands einer ganzen Gesellschaft, vergewaltigt jeden Tag durch den Clan an der Macht, tatsächlich nur eine einzige Familie, die des Obiang Nguema.

Alle wichtigen Posten im Land hat Obiang mit Mitgliedern seiner Familie besetzt. Das sind in ihrer Mehrzahl Leute, die komplett unfähig sind und, um sich durchzusetzen, über nichts weiter verfügen als unlautere Mittel. Ganz oben steht nach seinem Vater Teodorin, dem in Frankreich und den USA von der Justiz Korruption vorgeworfen wird. Auf Teodorin folgt seine Mutter, Constancia Mangue, die selbst auf ihre Stunde wartet. Nach ihr kommt Teodorins Großmutter mütterlicherseits, bekannt als „Mama Okomo“. Nach dieser erscheint in der Nomenklatura der Bruder von Obiang, Armengol, der in der letzten Zeit von Teodorin in den Schatten gestellt wurde. Auch heißt es, er sei krank, so wie der General Mba Nguema, der Halbbruder von Obiang, der unter ständiger medizinischer Betreuung steht. Der Rest der Familie Nguema sind Kinder von Teodoro Obiang Nguema, Früchte des Rechts der ersten Nacht, das der Diktator für sich in Anspruch nimmt. Am meisten im Licht der Öffentlichkeit steht von ihnen Nguema Obiang Lima. Erst kürzlich machte er wieder von sich reden, als er vom Hafen von Malabo verteilt auf zwei Container Geld nach São Tomé und Príncipe verschiffen lassen wollte. Die Devisen gehörten seiner Mutter, „la segunda dama“ (die zweite Lady), wie sie ironischerweise in offiziellen Pressemitteilungen genannt wird.

Trotz seiner unrühmlichen Vergangenheit ist Teodoro Obiang Nguema nicht bereit aufzugeben. Er gefällt dem Westen. Ganz besonders den Franzosen, den Israelis und den US-Amerikanern, den maßgeblichen Mächten, die sich die Welt und so auch das „brauchbare Afrika“ teilen, mittlerweile in Konkurrenz mit den Chinesen. Wäre Teodoro Obiang ein Idealist, der sein Land liebte, dann würde man ihn sehr schnell eliminieren, so wie man es mit Patrice Lumumba in der Republik Kongo getan hat, mit Thomas Sankara in Burkina Faso und zuletzt mit Laurent Gbagbo in Côte d’Ivoire. Der Präsident und Diktator Teodoro Obiang Nguema ist der perfekte „Neger“ an der Macht. Vor allem aus rassistischen Gründen liebt man Diktatoren vom Schlage Obiangs. Die Tatsache, dass es derart korrupte Regime unter Menschen wie Obiang Nguema und seinem Sohn Teodorin Obiang gibt, ist sie nicht die perfekte Illustration dafür, dass Schwarze nicht in der Lage sind, ihre eigenen Länder zu führen und ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen? Was anders soll man sagen von Mobutu in Zaire, Paul Biya in Kamerun oder Denis Sassou N’Guesso in Kongo-Brazzaville?

Natürlich hat die Zuneigung zu den Diktatoren ökonomische Gründe. Es kommt teurer, wenn man es mit einer Demokratie zu tun hat. Wer eine Fabrik nahe Accra in Ghana errichten will, die die Umwelt vergiftet, wird es mit den Einwohnern zu tun bekommen. Genauso steht es im Senegal. Aber in Äquatorialguinea braucht man nur mit einem Mitglied des herrschenden Clans zu verhandeln, und das Geschäft ist perfekt. Natürlich muss man dabei einen Abstecher in die Schweiz machen, um dort auf einer Bank ein kleines Trinkgeld zu deponieren. Afrika ist einfach so reich, dass man es nicht sich selbst überlassen darf. Man braucht einfach starke Männer, die die westlichen Interessen wahren. Das ist der Grund, warum Leute wie Teodoro Obiang Nguema nach wie vor unantastbar sind. Die Israelis haben gerade im Moka-Tal die alte Beobachtungsstelle übernommen, die Obiang einst dem südafrikanischen Apartheidsregime zur Verfügung gestellt hatte. Die Auftragskiller geben sich die Klinke in die Hand, um die Diktatur der Nguemas einzubetonieren. Kurz gesagt, in Äquatorialguinea befinden sich die Hooligans auf der Tribüne, und die Tyrannei ist an der Macht.

Joaquín Mbomío Bacheng ist Journalist und Schriftsteller aus Äquatorialguinea
und lebt in Frankreich. Aus dem Französischen von Joerg Tiedjen.

Beitragsbild: © marca.com

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