Ciriaco Bokesa Napo. Ein Dichter aus Äquatorialguinea, zwischen Rebola und Santiago de Baney

Joaquín Mbomío Bacheng hat vor einigen Monaten Ciriaco Bokesa Napo in der Umgebung von Madrid besucht und ein sehr poetisches Portrait des Dichters verfasst. Lesen Sie das Portrait über Ciriaco Bokesa, in spanischer Sprache, unter folgendem Link:

Ciriaco Bokesa Napo. Un poeta de Guinea Ecuatorial, entre Rebola y Santiago de Baney

Über Ciriaco Bokesa Napo läßt sich folgendes sagen, aus dem Buch Äquatorialguinea. Entwicklung und Themen der spanischsprachigen Literatur Afrikas von Mischa G. Hendel (Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2010):

Der ehemalige Priester Ciriaco Bokesa Napo, geboren 1939, studierte Theologie in Salamanca. Nach der Rückkehr nach Äquatorialguinea 1969 wurde er von der Regierung unter Francisco Macías Nguema zum Kaplan des Diktators ernannt. Ab 1973 erlebte Bokesa Napo mehr als ein Mal die traumatische Erfahrung von Verfolgung, Hausarrest und Gefängnis. Nach elf Jahren Priestertum gab er 1980 seinen Orden auf und arbeitete als Professor in der Escuela Normal de Magisterio sowie in der Universidad Nacional de Educación a Distancia. Zwischen 1992 und 1996 war er stellvertretender Direktor des Centro Cultural Hispano-Guineano und Mitarbeiter der Zeitschriften „África 2000“ und „El Patio”, in denen er auch Gedichte veröffentlichte. Der wichtigste Beitrag Ciriaco Bokesas ist sein Gedichtband „Voces de espumas”. Die Verse in „Voces de espumas” stehen für große literarische Sensibilität, und mit diesem Gedichtband gewann er 1985 den Primer Premio de Poesía «12 de octubre». In seiner Lyrik gibt es Einflüsse der spanischen Literatur, er drückt sich jedoch mit seiner „guineischen Seele” aus.

In seinen Gedichten setzt sich Bokesa Napo unter anderem mit seinen Erfahrungen des nguemistischen Traumas auseinander. „Voces de espumas” hat er sein Werk deswegen betitelt, weil er Hoffnung durch das Anregen der Phantasie, Beschreibungen der Landschaften sowie durch das Freilegen von Gefühlen und Träumen geben will. Bokesa Napo ist Dichter Äquatorialguineas der ersten Stunde und überzeugt, daß jeder Mensch in seinem Innersten die Kraft besitzt, jegliche Greueltat und Unterdrückung zu bewältigen.

Dieser Gedichtband ist das erste äquatorialguineische schriftliche Werk, das sich nicht in der Verwendung der europäischen Sprache einschränken läßt. Der Verfasser nutzt die Ausdrucksmöglichkeiten des Spanischen, beherrscht aber gleichzeitig einen aus der afrikanischen Oralliteratur beeinflußten Stil. Die Poesie Bokesas ist kraftvoll, voller Leben und Vorstellungskraft, und der in Europa ausgebildete Dichter steht im Dienste der kollektiven Interessen des Landes. Das Werk ist ein interner Kampf über verbotene Grenzen hinweg, der Leser erhält das Resultat aus elf Jahren diktatorisch aufgesetztem Leid, Frustation und Schweigen. In der Zeitschrift África 2000 schrieb Ciriaco Bokesa Napo:

Während der Macías-Periode – welch Brennen im Gaumen! Innerhalb des nationalen Territoriums war Stille die Redseligkeit der Mutigen. Nur der war etwas wert, der zu schweigen wußte und aus seiner Erfahrung in Stille einen Katalysator aus Themen für die literarische Zukunft machte.” (Bokesa Napo 1989, Übersetzung von Mischa G. Hendel)

Mit Gedichten versucht Ciriaco Bokesa Napo, das individuelle und kollektive Drama zu überwinden, das er und seine guineischen Leidensgenossen seit Beginn der Unabhängigkeit erleben mußten. Durch den versöhnlichen und optimistischen Ton dringt aber auch Hoffnung durch, und so sind auch einige Gedichte zu lesen, die bereits vor der Unabhängigkeit verfaßt wurden. „Serse” zum Beispiel ist sein Flehen, er selbst sein zu dürfen: „Ich möchte gern ich sein, ich selbst.” („Quiero serme, yo mismo.”, Bokesa Napo 1987, 23-24) Mit „Isla verde” liefert Bokesa Napo eine Hommage an seine Heimat, die Flüsse, Berge und Küsten, an die Schönheit der Farben – „la sangre es verde” – die grüne Insel. (Bokesa Napo 2000, 73-74) Ursprünglich erschien „Isla verde” in der Kolonialzeitschrift La Guinea Española, in der Ausgabe Juni-August 1969. Es ist ein Gedicht Bokesa Napos mit den typisch nostalgischen, landschaftlichen lyrischen Blicken Ciriaco Bokesas :

Me encanta verte así,
isla mía:
llorando verdes ríos
los ojos verdes
de tus montañas;
buscando esperanzas,
dándolas también.

Libre en tu ruta
de paz,
delgada en tu belleza,
verde en los ojos
de tus ríos amargos,
isla verde.

Me encanta verte así.
Me encanta verte
iluminadas las costas con faros
de tus ríos amargos,
isla verde.
Me encanta verte así.
[…]”
(Bokesa Napo 2000, 73-749

Es verzückt mich, dich so zu sehen,
meine Insel:
die grünen Augen
deiner Berge,
die grüne Flüsse weinen;
auf der Suche nach Lichtblicken,
die sie dir auch geben.

Frei auf deinem friedlichen Weg,
fein in deiner Schönheit,
das Grün in den Augen
deiner bitteren Flüsse,
grüne Insel.

Es verzückt mich, dich so zu sehen.
Es verzückt mich, dich zu sehen
und die Küsten,
beleuchtet mit Leuchttürmen
deiner bitteren Flüsse,
grüne Insel.
Es verzückt mich, dich so zu sehen.
[…]“

Neben seinem Gedichtband verfaßte er auf narrativem Terrain „Crónica de un viaje singular”. 1999 erlitt Ciriaco Bokesa Napo einen Schlaganfall und lebt seitdem in Spanien in der Umgebung von Madrid. Trotz seiner Krankheit ist er literarisch äußerst aktiv, jedoch ist ein Großteil seines lyrischen und narrativen Werks bisher unveröffentlicht geblieben, unter anderem Werke wie „Los cuervos”, „Mis chicas”, „Sor Sonrisa. Balance de pagos”, „Una jaula a orillas del mar” und „Umbrales de luz”.

In Wahrheit schreibe ich nicht, um populär zu sein und auch nicht, um verstanden zu werden. Ich schreibe, um auf meine Art und Weise auszudrücken, was ich in mir trage, …” (Bokesa Napo 1987, Übersetzung von Mischa G. Hendel)

 

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