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Äquatorialguinea – mehr als nur Erdöl und Putsch

Äquatorialguinea ist offiziell seit 1968 politisch unabhängig von von Spanien – Jahrzehnte, die der Bevölkerung zwei Diktaturen und nicht viel Grund zum Feiern gebracht haben.

Äquatorialguinea ist das einzige spanischsprachige Land Afrikas, ein diktatorisch dominierter Zwergstaat, der mittlerweile (2013) beinahe 45 Jahre von Spanien politisch unabhängig ist. Trotz einer Ausdehnung von nur 28.051 km², ein Drittel der Fläche Österreichs, ist Äquatorialguinea der drittgrößte Erdölproduzent Afrikas südlich der Sahara.

Das Land ist nicht bis wenig in den Medien zu finden, die sich, wenn, dann nur auf die Erdölproduktion oder vermeintliche Putschversuche beschränken. Eine Ausnahme stellt der Film „Voces literarias de Guinea Ecuatorial” des österreichischen Regisseurs Mischa G. Hendel dar. „Ich möchte den Schriftstellerinnen und Schriftstellern Äquatorialguineas eine Stimme geben, da diese sowohl von äquatorialguineischer Seite – der Regierung – als auch von spanischer bzw. internationaler Seite ignoriert und nicht gehört werden”, so Mischa G. Hendel im Gespräch. Er fährt fort: „In Äquatorialguinea existiert keine Tageszeitung, kein Theater oder Kino.” Beschämend, dass es in Zeiten der vermeintlichen totalen Information Länder gibt, in denen Unrecht passiert, und die Weltöffentlichkeit nicht daran teil nimmt. Teodoro Obiang Nguema, Präsident dieser Scheindemokratie und mittlerweile seit 1979 an der Macht, nutzt den wachsenden Ölreichtum, um Regierungsgebäude, Meerespromenaden und Prunkstraßen zu bauen. Derartige Prestigebauten bringen der Bevölkerung selbst wenig Fortschritt. Für einen Großteil der Einwohner Äquatorialguineas sind sogar Strom, fließendes Wasser oder öffentliche Transportmittel eine nicht vorhandene Grundversorgung. Die letzten Präsidentschaftswahlen fanden in der ehemaligen einzigen spanischen Kolonie Afrikas im November 2009 statt. Scheindemokratische Wahlen, denn von Seiten der Militärregierung waren keine internationalen Beobachter zugelassen.

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Spanischsprachige Literatur aus Afrika

Der Film von Mischa G. Hendel beschreibt die Situation in Äquatorialguinea aus der Perspektive der Autorinnen und Autoren des Landes. Zu Wort kommt unter anderem Francisco Zamora, äquatorialguineischer Schriftsteller und Sportreporter mit Wohnsitz in Madrid: „Das erste was dir eine Diktatur nimmt, ist die Phantasie, und was du hättest sein können. Also bedeutet eine Diktatur nicht nur politische Auswirkungen, sondern auch ökonomische und soziale Auswirkungen, und dadurch, sagen wir die intellektuellen Auswirkungen.” Aufgrund der politischen Situation leben die meisten äquatorialguineischen AutorInnen im Exil, vor allem in Spanien. Von dort aus versuchen sie, mit ihren Werken für ein besseres Guinea zu kämpfen.

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AutorInnen ohne Publikum?

Bücher von äquatorialguineischen SchriftstellerInnen gelangen selten an den Golf von Guinea, weil keine Verlage und keine Büchereien existieren. „Die Menschen in diesem Land lesen beinahe nicht, sie haben keine Bücher oder Enzyklopädien in ihren Regalen. Warum? Weil sie das Geld, um ein Buch zu kaufen, dafür brauchen, Essen zu kaufen”, erzählt Justo Bolekia, Schriftsteller und Professor für Sprachwissenschaft an der Universität von Salamanca. Trotzdem werden AutorInnen wie Justo Bolekia oder Francisco Zamora nicht aufgeben und weiterhin Bücher sowohl für das guineische als auch das europäische Publikum schreiben.

Der Dokumentarfilm „Voces literarias de Guinea Ecuatorial” feierte am 6. Dezember 2009 bei this human world, dem Österreichischen Filmfestival der Menschenrechte, Weltpremiere. Seitdem war der Film von Mischa G. Hendel in diversen Kinos, Universitäten, Schulen, Filmfestivals und Kulturzentren – von Wien bis Salzburg, von Madrid bis Barcelona, Köln bis Passau, in New York, Toronto, Tübingen, etc. – zu sehen. Auf diese Weise tragen Film und Regisseur zur Verbreitung der sozio-kulturellen und sozio-politischen Situation in Äquatorialguinea sowie zur Verbreitung der Literatur Äquatorialguineas bei. Eine Auswahl der Filmvorführungen:

6. Oktober 2010 / Cine Doré – Filmoteca Española, Madrid
26. März 2011 / 18. Deutscher Hispanistentag, Passau
5. Juni 2011 / FIFA Fußball WM der Frauen, Augsburg

„Voces literias de Guinea Ecuatorial“ wird auch immer wieder als Lehrmaterial herangezogen, u.a. bei der jährlich stattfindenden „Literaturwoche Äquatorialguinea“ an der Universität Wien. Ein Trailer des Films ist unter https://www.youtube.com/watch?v=LyPllzkOvsA zu sehen.

 

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